Sonntag, 28. September 2014

Und plötzlich...

Prinzessin!

Manch einer sitzt nun sicherlich schadenfroh vorm Rechner und denkt "Das hat se nun davon mit ihrer Rosa-Phobie!".

Der Sonnenschein ist eben ein Mädchen wie jedes andere in ihrem Alter und neben dem Down-Syndrom kamen auch noch mehr und mehr die Symptome des Prinzessinnen-Syndroms durch... "Neeeeein! Nicht den dunkelblauen Löffel! Ich. Möchte. Hellblau." "Ich möchte nicht hier sitzen! Ich möchte da sitzen. Die Sonne blendet mich!" "Ich WILL Sußig-heiten!!" "Nein! Ich möchte DIE Schuhe anziehen!" "Nein! Ich geh hier lang nach Hause! DU und Vincent DA lang!" "Ich möchte nicht DEN Teller! Ich nehme heute Vincents Teller!"
... einen unendlich langen Post könnte ich mit Dingen füllen, die der Sonnenschein heute alle "gemöchtet" und gewollt hat.

Seit heute haben wir auch eine eindeutige Diagnose für dieses Verhalten...








Der Sonnenschein war heute auf einer richtigen Prinzessinnen-Party für und mit Prinzessinnen. Und sie hatte jede Menge Spaß! Es wurde getanzt, gebastelt und geschminkt, mit einem richtigen Prinzessinnen 3-Gänge Menü und einer tollen Verlosung.

Das Fazit: Diagnose Prinzessinnen-Syndrom. Damit leben wir nun. Ein bisschen mehr Rosa, ein bisschen mehr Glitzer und ein bisschen mehr "Ich möchte... nicht!". Und ich lerne jeden Tag ein bisschen mehr es so hinzunehmen... ob ich möchte, oder nicht.

Freitag, 26. September 2014

Die richtige Balance

Mit dem zweiten Kind relativiert sich vieles. Man sieht manche Dinge gelassener und widmet vielem nicht mehr die intensivste Aufmerksamkeit, einfach weil die Zeit fehlt (und manchmal ist das auch gut so).

Durch unser Löwenkind haben wir schon so viel gelernt. Mit ihm kam nicht nur ein bisschen mehr Chaos in unser Familienleben, sondern auch noch ein Stückchen mehr Normalität. Zumindest das, was aus gesellschaftlicher Sicht für normal befunden wird...
Aber gerade mit dem Löwenkind wurde mir immer mehr bewusst WIE normal wir doch eigentlich sind und dass manche Unart vom Sonnenschein eben nicht auf's Extra-Chromosömchen geschoben werden kann. Und gerade diese Sturheit, die mich manchmal echt ins Schwitzen bringt, soll der Sonnenschein laut Aussage meiner Mama von mir haben. Kann ja gar nicht sein... Oder. Vielleicht. Doch. Ein klitzekleines bisschen... Wenn ich den Sonnenschein im Alltag erlebe, kommt manchmal die vage Erinnerung an ein kleines, blasses Mädchen mit zerzausten dunklen Haaren... ein Mädchen, das dem Sonnenschein in vielem sehr ähnlich war.

Mancher Unart vom Sonnenschein, die ich ganz gerne mal mit ihrer Sonderausstattung entschuldigt habe, räume ich mittlerweile kleinlaut eine mögliche Verantwortung ein... denn das Löwenkind beweist allzu oft, dass das Erbgut für diesen ausgeprägten Trotzkopf nicht auf dem 21. Chromosom liegen kann... leider.
Nun habe ich zwei kleine Terrorzwerge hier und wer behauptet "Mit dem zweiten Kind wird alles leichter!" kann gerne mal nachmittags um fünf bei uns vorbei kommen und sich vom Gegenteil überzeugen.
(sollten Sie sich aktuell noch in der Entscheidungsphase der Familienplanung befinden, bleiben Sie besser wo Sie sind!)

Ich liebe das Familienleben mit zwei Kindern und möchte keins meiner Kinder missen, so stressig es manchmal auch ist... es kann auch tatsächlich unglaublich schön sein (vielleicht nicht gerade nachmittags um fünf...). Nur eins von beiden Kindern zu Hause zu haben ist wie Urlaub (während man Heimweh nach dem zweiten Kind hat...). Ich versuche immer wieder Zeiten einzuplanen, in denen ich nur etwas mit dem Sonnenschein unternehme oder einen ganzen Nachmittag mit dem Löwenkind, an dem ich ihm alle Bücher vorlese, die er mir anschleppt, mit ihm die Autos durch die Parkgarage jage und wir Bauklötze stapeln.

Manchmal wünschte ich mir, ich hätte die Erfahrung vom zweiten Kind schon beim ersten Kind gehabt. Vieles wäre dadurch sicherlich leichter gewesen. Aber wäre es dadurch unbedingt besser gewesen? Ich denke nicht!

Im Moment ist das Löwenkind sehr anhänglich und möchte am liebsten schon morgens den ganzen Tag auf den Arm. Oftmals gibt es vom Sonnenschein eine Quittung, wenn der Löwe mehr Aufmerksamkeit bekommt als sie.
Mit dem zweiten Kind wird einem manchmal auch viel schneller bewusst, wenn man Dinge vielleicht besser hätte anders machen sollen (Fehler in der Erziehung werden einem auch bewusst(er) ).

Und egal was ich mache, ich versuche immer alles in der richtigen Balance zu halten... sogar beim Nähen! Denn wenn ich Fotos vom Sonnenschein in genähter Kleidung mache, drängt sich grundsätzlich das Löwenkind mit ins Bild... umgekehrt ist es aber ganz genau so.

Wie gut, dass es von ki ba doo nun auch Louis gibt. Das ist die Jungs-Version von Lou (und MaLou), die ich bereits im vergangenen Jahr schon einige Male genäht habe.
PaLouis gibt es auch... aber Herr Sonnenschein möchte leider immer noch nicht von mir benäht werden... dabei habe ich ja gestern erst gezeigt, dass auch ich unbunt kann.



Die Bilder von unseren ersten beiden Louis-Hoodies sind bereits in unserem Sommerurlaub entstanden (der gedanklich schon wieder ganz weit weg und ewig her ist...). Die Hoodies sind hier im Dauereinsatz...

Beide Versionen sind aus den tollen Lothar-Stoffen, die Lila-Lotta für Lillestoff designed hat, entstanden. Die Stickapplikation ist ebenfalls von Lila-Lotta...


Stoffe: Lothar und Lothar Stars von Lillestoff
Schnittmuster: Louis von ki ba doo
Stickserie: Helmut und seine Superhelden


Donnerstag, 25. September 2014

Feel FREE - es ist RUMStag!

Ich danke Euch für so viel Zuspruch, Tipps, persönliche Erfahrungen und aufmunternde Worte nach dem letzten Post. Gerade ist der Wurm drin. Die letzte Woche war so eine richtige A...lochwoche und diese hier knüpft direkt daran an und setzt dem Ganzen noch ein Krönchen auf.
Meine Laune war schon mal deutlich besser und ich mutiere gerne mal zur Jammertante, wenn ich in Situationen stecke, die mir Angst machen, weil ich deren Ausgang und den damit verbundenen Ausmaß nicht absehen kann.
Andererseits bin ich ziemlich zäh und eine Kämpferin, wenn es sich für mich zu kämpfen lohnt.

Das Thema Schule ist eine ganz neue Herausforderung und für alle Eltern kein einfacher Schritt, egal ob Down-Syndrom, Prinzessinnen-Syndrom oder Normal-Syndrom... für uns alle ist es verbunden mit unterschiedlichsten Emotionen und neuen Hürden.

Diesen Post hatte ich eigentlich gestern schon fertig geschrieben... aber irgendwie war er noch nicht rund genug. Es passt in die Woche... manchmal hat man so Phasen, in denen es einfach nicht rund läuft. Letzte Woche hat mir noch nicht einmal das Nähen geholfen vom Alltag loszulassen, denn ich habe nur Quatsch fabriziert und nichts richtiges zustande gebracht. Sogar ein absoluter Nähanfänger würde darüber ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln erleiden.
Zum Glück kann man an so einem Basic-Rock nicht allzu viel verkehrt machen. Deshalb hab ich doch noch ein neues RUMSwürdiges Lieblingsteilchen genäht. Free, so heißt der wunderschöne neue Stoff von enemenemeins, den es ab Samstag bei Lillestoff gibt und ich finde, es hat immer wieder etwas befreiendes, wenn man ein neues fertiges Teil unter der Nähmaschine hervor holt.
Free ist total schlicht und trotzdem unglaublich inspirierend... ich bin begeistert von den Designbeispielen, die ich dazu bereits gesehen habe.

Die Wickeljacke habe ich diesmal allerdings nicht selbst genäht. Das ist nämlich die Jacke von me&i, von der ich Euch bereits im Verlosungspost berichtet habe. Und falls Ihr noch nicht mitbekommen habt wer sich bald über den tollen Herzschal freuen darf, schaut einfach hier ganz unten im Post vorbei...
Wollt Ihr noch mehr geRUMSte Beiträge sehen? Dann geht es für Euch hier entlang.

Montag, 22. September 2014

Back to school

Ich bin immer gerne zur Schule gegangen... außer es stand eine Klausur an oder ich befürchtete eine Hausaufgabenüberprüfung. So hieß das damals bei uns. Mein Abiturszeugnis vergilbt nun seit über 13 Jahren in einer Kiste. Von meinen Abiklausuren träume ich heute noch die schrecklichsten Dinge. Mal bin ich splitternackt, mal völlig unvorbereitet und dann kommt da so ein skurriler Traum um die Ecke, in dem ich mein Abi in Mathematik mache (natürlich so ein 0-Punkte Ding...).
Ich bin ein klassischer Prüfungspaniker. Sogar, wenn ich erzähle und merke, dass mir jemand gebannt zuhört, verhaspel ich mich und fange manchmal an Worte falsch zu bilden. Und von meiner Schulzeit träume ich nicht besonders gerne, schon gar nicht von meinen Abiklausuren. Auch, wenn es trotzdem ne geile Zeit war, irgendwie.

Heute habe ich nach langer Zeit die Schulbank wieder gedrückt... dem Sonnenschein zuliebe.

Zusammen mit ein paar anderen Eltern von 2015er Schulkindern habe ich mich in den Unterricht einer ersten Klasse von einer GL-Schule gesetzt (GL für gemeinsames Lernen). Eine Klasse mit 25 Schülern und Schülerinnen, einer Lehrerin und einer Sonderpädagogin und der Förderung jedes Kindes nach seinen individuellen Bedürfnissen. Mein Bauchgefühl sagte mir "Es könnte klappen... mit einem Schulbegleiter wäre das auf jeden Fall eine schöne Option". Ich war erstaunt wie sehr die Lehrerin die Kinder nach nur fünf Wochen Schule schon im Griff hatte (auch wenn sie meinte, dass dies noch ein langer Weg sei) und auch, obwohl ich alles sehr kritisch durchleuchtet habe und versucht habe aus dem Blickwinkel vom Sonnenschein zu betrachten, sah ich eine relativ gute Chance für sie sich an dieser Schule wohl zu fühlen. Mir gefiel die Lernatmosphäre, das Gebäude und die Struktur, die den ganzen Unterricht formte.

Im kurzen Gespräch mit der Lehrerin und anschließend mit dem Direktor hatte ich allerdings ein sehr ernüchterndes Bild von alledem. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass man mir mit meinem Kind, welches offensichtlichen Förderbedarf hat, doch eher von der Schule abriet. "Suchen Sie sich eine Schule mit vielen Sonderpädagogen" (schwierig, wo im Rahmen der Inklusion doch sämtliche Sonderpädagogen abgeschafft werden... und warum empfiehlt man mir eigentlich eine andere Schule als diese?) und "einen Schulbegleiter finden Sie hier in Köln nicht!".
Hallo?? Ich finde keinen Schulbegleiter für mein Kind? Das wäre doch gelacht! Also Ihr Schulbegleiter da draußen! Wo seid Ihr??

Nee, echt mal jetzt! Was ist das denn bitte für ein ver... tes Schulsystem, wenn alle die Inklusion so lobhuldigen und alle von freier Schulwahl sprechen und dann soll es daran scheitern, dass man keinen Schulbegleiter findet? Aber das Problem ist leider nicht neu... ich höre es im Moment ständig.

Den ernüchterndsten Satz von alledem werde ich hier jetzt nicht zitieren, denn er liegt mir noch ein bisschen schwer im Magen. Dieser Morgen war voller Euphorie und knallharter Ernüchterung.

Aber wie heißt es doch so schön in Max und Moritz "Dieses war der erste Streich...".

Der Weg bis zur Einschulung wird noch ganz schön steinig und voller Hürden, befürchte ich...

Stoff: Blue Porcelaine von enemenemeins für Lillestoff... coming soon!
Schnitte: Joana von Jolijou und (verlängertes) Basictop von ki ba doo



Sonntag, 21. September 2014

Geschwisterrivalitäten

Im Halbschlaf höre ich das Klicken des Lichtschalters, dicht gefolgt von dem beißenden Licht und meinen beiden Kindern, die darum wetteifern wer als erstes bei "MEINE Mama!" "Nein! MEINE Mama!" ist. Ich werde stürmisch begrüßt, das Löwenkind übersät mein Gesicht mit Küssen und der Sonnenschein umarmt mich stürmisch. So wird man doch gerne geweckt... mal von der Sache mit dem Lichtschalter abgesehen. Aber wir wollen an nem Sonntagmorgen mal nicht kleinlich sein.

Morgens ist meistens die Welt noch in Ordnung. Da begrüßen sich der Sonnenschein und das Löwenkind herzlich mit einer Umarmung und freuen sich wirklich und ganz offensichtlich aufeinander. Sie vermissen sich, wenn der andere weg ist und wollen die Wohnung ohne einander nicht verlassen. Manchmal liegen sie sich in den Armen oder geben sich ein Küsschen, aber das ist eher selten und dann doch ein bisschen zu viel Geschwisterplüsch.
Meistens sieht es so aus, dass jeder Angst hat weniger zu bekommen als der andere. Da wird sehr kritisch beäugt, ob der Bruder nicht vielleicht doch ein Gummibärchen mehr in seinem Schälchen hat und ob das Butterbrot, dass der Sonnenschein geschmiert bekommen hat, nicht vielleicht schöner ist. Das Löwenkind wird sehr schnell ungehalten und wütend, wenn er sich in irgendeiner Form benachteiligt fühlt. Seine Schwester kennt aber auch seinen Nerv und weiß ihn ganz genau zu reizen. Und es macht ihr Spaß. Mich nervt es manchmal ganz schön, denn das Löwenkind ist eben ein LÖWENkind und weiß sehr laut zu brüllen (in den westeuropäischen Ländern soll es auch noch den schrillen Kreischlöwen geben... munkelt man).

Wenn ich die Kinder von der Kita abhole, rennt das Löwenkind immer freudestrahlend auf mich zu, sobald er mich erblickt (ich genieße oft die Momente, in denen ich noch unentdeckt bin und die Kinder beim Spielen beobachten kann)... meistens fällt er auf halber Strecke über seine Füße und der Sonnenschein hat ihn dann schnell eingeholt und springt mir als erstes verschwörerisch grinsend, stürmisch um den Hals. Nicht selten bekommt das Löwenkind darüber einen Tobsuchtsanfall und beruhigt sich nur schwer davon.
Spiele ich ein Spiel mit dem Sonnenschein, bei dem das Löwenkind noch nicht mitspielen kann, lässt sich das Löwenkind gerne etwas einfallen, damit er wieder meine volle Aufmerksamkeit hat... der Sonnenschein kann das aber umgekehrt genau so gut.

Wenn es Kuchen gibt, muss das Löwenkind seinen Teller gut bewachen, denn der Sonnenschein tauscht schon mal ganz gerne einen (in Windeseile) fast aufgegessenen Donut gegen den gerade mal angebissenen ihres Bruders... Dinge, die sie nicht mag, teilt sie dagegen sehr großzügig.
Manchmal sind beide Kinder sehr ruppig zueinander... beide nehmen sich da nicht viel und es fliegen ganz schön die Fetzen. Es ist auch schon vorgekommen, dass der Sonnenschein ihren Bruder gehauen hat. Wir versuchen solches Verhalten natürlich gänzlich zu unterbinden und wenn der Sonnenschein sich nach Aufforderung von uns beim Löwenkind entschuldigen soll, heißt es nicht selten "Tschuldigung Vincent! Hab ich nicht mit Absicht gemacht!" Ah ja...

Es gibt Tage, an denen wird sich hier kräftig duelliert und es ist nicht nur für die Geschwister anstrengend, sondern auch für uns Eltern. Aber wenn es Knall auf Fall kommt, halten die beiden zusammen, wie Pech und Schwefel.
Stoffe: NOSH "Rainy Day" und "Cherry Friends" bei Kleewald Stoffe